Ausschnitt der Veröffentlichung der DAH www.welt-aids-tag.de 2009

Der Gewinnerartikel von Karina Seuser und Michael Leiberger

Wissen ist deine Gesundheit

AIDS?! Euch kam bestimmt nun der Gedanke, wie, was hat das in unserem ZOOM zu suchen? Das Thema gehört doch nach Afrika, dort gibt es betroffene Menschen. Aber AIDS ist nicht eine ferne Sache, sondern auch eine Krankheit, die euch täglich hier vor eurer Haustür begegnen kann. Es geht um eure Gesundheit. Um euch über dieses Thema, das euch alle betrifft, zu informieren, haben wir die AIDS-Hilfe Koblenz besucht. Die AIDS-Hilfe Koblenz betreut etwa 600 mit dem HI-Virus infizierte beziehungsweise an AIDS erkrankte Menschen im Bezirk des nördlichen Rheinland-Pfalz. Zu ihren Aufgabengebieten zählt die soziale Betreu- ung der Betroffenen sowie die Information der Bevölkerung durch Informationsstände auf Veranstaltungen oder auch die Präventionsarbeit in Schulen. Um den Kontakt zwischen Betroffenen und deren Angehörigen zu fördern, veranstaltet die AIDS-Hilfe Koblenz das Mittwochsfrühstück, bei dem sich die Betroffenen untereinander über Probleme und Freuden des täglichen Lebens austauschen können, oder auch den Sonntagskaffee, bei dem jeder willkommen ist. Breite Öffentlichkeitsarbeit betreiben ehrenamtliche Mitarbeiter mit dem Gummi-Express. Bei dieser Aktion werden am Wochenende in der Koblenzer Fußgängerzone kostenlos Informationsflyer und Kondome verteilt. Ebenso versucht man, durch die Aktion „Queer as folk and more“ in der homosexuellen Szene auf das Thema aufmerksam zu machen. Bei diversen besonderen Veranstaltungen wie dem Welt-Aids- Tag am 1. Dezember oder auch am Valentinstag wollen die Mitarbeiter der AH Koblenz ihre Mitbürger mit einem Infostand über das Thema AIDS und HIV aufklären. Ein wichtiger Teil der Arbeit der AIDS-Hilfe ist auch die Präventionsarbeit in Schulen, bei denen die Schüler unterschiedlicher Jahrgangstufen in meist zweistündigen Vorträgen viele Informationen erhalten sollen.

Gerhard Werntnerm,  Christine Bangert (Hauptamtler der AH Ko) und Thomas Dresen (Ehrenmatler der AH Ko) beim Interview

Der ZOOM sprach mit den Mitarbeitern Christine Bangert und Gerhard Werntner sowie dem selbst betroffenen ehrenamtlichen Helfer Thomas Dresen über die Arbeit der AIDS-Hilfe, den Risiken besonders bei Jugendlichen und das Leben eines HIV-positiven Menschen. ZOOM: Wie arbeitet die AIDS-Hilfe Koblenz? Gerhard Werntner: Die AIDS-Hilfe Koblenz gibt’s seit 1984. D.h. wir sind im 21 Jahr. Wir haben hier eineinhalb Sozialpädagogenstellen und eine Verwaltungskraft, die auch stundenweise noch da ist, und so circa 15 aktive Ehrenamtler. Zuständig sind wir für Koblenz und die sieben angrenzenden Landkreise, wozu zum Beispiel auch der Kreis Neuwied dazugehört. Wir haben ungefähr,… man kann sagen, letztes Jahr haben wir etwa 100 Präventionsveranstaltungen in Schulen gemacht. Das ist ein wichtiges Aufgabengebiet von uns, Infoveranstaltungen halt, Präventionsarbeit. Ein weiterer Teil ist Öffentlichkeitsarbeit, zum Weltaidstag zum Beispiel, wo wir mit Infoständen Prä- senz zeigen und auch immer, wann sich die Möglichkeit ergibt, wenn man uns genehmigt, dabei zu sein, versuchen wir das halt auch. Wichtige Arbeit ist natürlich auch die Arbeit mit Betroffenen, Unterstützung bei irgendwelchen Problemen z.B. mit Ämtern, Krankenkassen, Schwerbehindertenausweis beantragen, und auch finanzielle Probleme, wenn jemand über die Krankheit bis nach Hartz IV hinunterrutscht, und man einfach Schwierigkeiten hat und Unterstützung braucht, dann sind wir natürlich auch beteiligt. Wir bieten auch noch Freizeitaktivitäten an, also Projekte, um natürlich die Möglichkeit zu bieten, Freizeit sinnvoll zu gestalten, zum Beispiel frühstücken gehen, ins Kino gehen oder so was, jeden letzten Sonntag im Monat treffen sich die Leute in dem Raum da drüben, zum Kaffeetrinken, also zum lockeren Austausch, alle Angebote, die in dem Rahmen stattfinden, sind für Betroffene, Freunde, Angehörige, damit niemand, der keine Möglichkeit hat, selber zu fahren, davon abgehalten wird, werden die dann gebracht und derjenige kann dann auch dazukommen. Dann haben wir mittwochs noch das Mittwochsfrühstück für Betroffene und Lebenspartner/Lebenspartnerinnen. Wir arbeiten sehr eng im AIDS-Kreis Nord, das ist so mit anderen Fachleuten zusammen. Da ist auch sehr hervorzuheben das Gesundheitsamt Neuwied halt, das ist die Frau Hoeboer, die ist in der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit, macht da HIV-Tests, da ist halt eine intensive Zusammenarbeit. Das einzige Krankenhaus hier im nördlichen Rheinland-Pfalz zur Behandlung ist der Kemperhof, der Doktor Rieke, der behandelt etwa 500 bis 600 Menschen, die hier aus dem Zuständigkeitsbereich kommen. Wir sind dann auch da, um die zu betreuen, wir sind also einmal in der Woche vor Ort, damit wir da auch den Kontakt zu den Patienten haben. Das ist der Hauptkontaktpunkt für uns und die Betroffenen. Ein anderer Aufgabenbereich ist natürlich die Telefonberatung, wenn Leute anrufen, wo kann man einen HIV-Test machen oder so. Für Fragen sind wir da natürlich der Ansprechpartner. ZOOM: Wie wird dann der Kontakt zwischen den Betroffenen und der Aidshilfe Koblenz hergestellt? Christine Bangert: Anrufen tun vielleicht eher die Leute, die einen Risikokontakt gehabt haben und dann Angst haben, dass sie sich infiziert haben. Dafür ist das Beratungstelefon da, das und das ist gewesen, und wie sieht das aus mit einem Test, kann ich den machen lassen, aber die Betroffenen selber lernen wir eher im Krankenhaus kennen. Gerhard Werntner: Wir lernen die dann meistens da kennen. Oder wenn Dr. Rieke merkt, da ist ein Patient, dem könnten wir helfen bei sozialen Problemen oder ähnlichem, dann informiert er uns dann auch und stellt den Kontakt her. ZOOM: Wo kann man einen HIV-Test machen lassen? Gerhard Werntner: Wenn uns hier jemand anruft, und fragt, dann schicken wir denjenigen meistens zum Gesundheitsamt, weil der Test dort kostenlos und anonym ist. Das ist dann häufig angenehmer als beim Hausarzt, wo jeder einen kennt, wenn dann der Arzt aufruft, Blutabnahme für den Aids-Test, ist das schon peinlich, deswegen verweisen wir die Leute meistens zum zuständigen Gesundheitsamt. Und bei solchen Gesprächen ist halt wichtig, den Leuten klar zu machen, dass man drei Monate nach einem Risikokontakt erst testen kann, ob man sich infiziert hat. Christine Bangert: Und diese drei Monate sind für viele Menschen das Hauptproblem, also die Angst, sich infiziert haben zu können. Die hier anrufen, haben meistens schon dieses schlechte Gefühl, da könnte was gewesen sein, und denen dann noch sagen zu müssen, dass sie leider noch mal drei Monate warten müssen, ist schon schwierig. Manche rufen dann auch häufiger an und versuchen zu feilschen, können wir das nicht doch früher machen, aber das ist nicht unbedingt möglich. ZOOM: Wie gehen Sie bei Präventionsveranstaltungen in Schulen vor? Gerhard Werntner: Also leider können wir natürlich nicht ein Schreiben machen an alle Schulen, es gibt in unserem Bereich etwa 400 weiterführende Schulen. Und es ist leider so, dass wir die wenigsten Kontakte zu Gymnasien haben. Die rund 100 Veranstaltungen, die im letzten Jahr zustande gekommen sind, sind zustande gekommen, weil uns immer wieder engagierte Lehrer angefordert haben. Und solange der Lehrer dann nicht in Pension geht oder versetzt wird, bleibt dann meistens der Kontakt zur jeweiligen Schule bestehen. Und dann ist es so, dass wir dann relativ kurzfristig auch Termine ausmachen. Und dann je nach dem, wie weit die Klassen im Thema drin sind, manche sind halt bei 0, also am Anfang, andere haben schon Projekte gemacht und haben dementsprechend Vorwissen. Dann kommt immer ein Betroffener mit, z.B. Thomas Dresen, und entweder ich oder Christine Bangert, die dann halt Informationen zum Thema haben. Ein Themenschwerpunkt ist dann die Vermittlung von Wissen. Ein zweiter Teil ist dann z.B., wo macht man einen HIV-Test und so was. Ein weiterer Block ist dann halt, dass der Thomas, oder andere Betroffene, die sich da ehrenamtlich engagieren, erzählen dann über ihre Erfahrungen mit Familie, mit Bekannten, an der Arbeitsstelle. ZOOM: Wie reagieren die Schüler auf das Thema? Christine Bangert: Eigentlich haben wir durchweg nur positive Erfahrungen gemacht. Also das Thema interessiert die Schüler sehr, das hat ja immer auch mit Sexualität zu tun, das interessiert einen als heranwachsender Mensch sowieso. Dann haben wir natürlich das Glück, dass der Betroffene selbst, die Situation auch anschaulich darstellt, das ist auch wirklich etwas anderes, wenn man wirklich einen vor sich hat, der HIV-positiv ist, der krank ist, das ist einfach so eine Unmittelbarkeit, dadurch entsteht automatisch Interesse. Und mit dem Thema stoßen wir da immer wieder auf offene Ohren. ZOOM: Wie reagieren die Schüler auf den Besuch eines vom HI-Virus betroffenen Menschen? Thomas Dresen: Also die sind erst mal ziemlich verschreckt. Ich sag dann guten Morgen. Und dann frag ich, ob man das jemandem ansehen kann, ob er HIV-positiv ist. Dann sag ich, dass ich HIV-positiv bin, und dann herrscht erst einmal betroffenes Schweigen. Es stimmt ja nicht, dass man die Infektion mit dem HI-Virus jemandem ansehen kann. Man kann vielleicht jemandem ansehen, dass er an AIDS erkrankt ist. Früher gab es einen speziellen AIDS-definierten Hautkrebs, da waren die Leute stigmatisiert. Oder dann gibt es eine Fettumverteilung, dann geht das Fett unter der Haut im Gesicht weg und sammelt sich im Nacken. Da kann man dann sagen, dass jemand an HIV beziehungsweise AIDS erkrankt ist. ZOOM: Wodurch erfahren die Betroffenen von ihrer Infektion und Erkrankung? Gerhard Werntner: Also ich würde eher so sagen, ich denke mir, merken tut das eigentlich keiner. Wenn jemand voll in der Thematik ist, und sein komplettes Handeln da voll reflektiert, dann mag er die grippeähnlichen Symptome, die nach einem Risikokontakt sein können, nicht auftreten müssen aber auftreten können, richtig deuten. Aber das kann noch nicht mal ein Hausarzt. Also deswegen denke ich mir, kommen die HIV-positiven Tests erst zu Stande, wenn ich denk, mach mal einen Test, weil meine Bekannten einen gemacht haben, weil ich in den Medien davon gehört habe, also eher zufällig. Christine Bangert: Oder wenn halt die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist, wenn dann irgendwelche Erkrankungen auftauchen, die den Arzt dazu veranlassen, einen Test zu machen, und dann erfährt das der Betroffene. Gerhard Werntner: Es ist dann auch so, häufig werden die Krankheiten dann erst behandelt, und wenn das alles dann nicht greift, wenn die Medikamente unerklärlicherweise alle nicht anschlagen und der Mensch trotzdem immer kranker wird, kommt dann vielleicht auch einer auf die Idee, einen Test zu machen. Also es gibt ganz viele, die erst sehr spät von der Erkrankung erfahren. ZOOM: Wie haben Sie es erfahren, dass Sie HIV-positiv sind? Thomas Dresen: Ich hab das gar nicht gemerkt. Ich bin Langzeitüberlebender. 1982 hab ich ein Restaurant in Thailand gehabt. Da war ich zwei Jahre in Thailand, ich wollte aussteigen aus Deutschland hier, und dann hab ich da Schweinshaxe und so verkauft, alles, was sich ein deutscher Tourist im Urlaub im Ausland wünscht. Und abends bin ich dann auf die Pirsch gegangen, dann hab ich mal die eine oder die andere mitgenommen. Und dann ohne Kondom, denn damals gab’s zwar schon die Anfänge von AIDS, aber das war noch nicht allgemein so bekannt. Das war eine Schwulenkrankheit damals, uns als Otto Normalverbraucher hat das damals gar nicht interessiert, weil das auch in Amerika war, also weit weg. Und man wusste damals auch noch nicht, wie die Krankheit übertragen wurde. Später wusste man dann, dass AIDS eine sexuell übertragbare Krankheit ist und man sich mit einem Kondom schützen kann, aber da war’s schon zu spät für mich, da war ich schon infiziert. Und das ging gut bis 1990. Also bis 1990 habe ich kein einziges Symptom gehabt, und dann kam eine Gürtelrose. Und dann hat mein Arzt gesagt, lass dich einfach mal testen, denn Gürtelrose ist eine Krankheit, die alte Leute bekommen, und da war ich wirklich noch nicht alt. Und dann war der Test positiv, dann hat der Arzt gesagt, hör auf zu arbeiten, hör auf zu rauchen, kein Bier mehr, keine Party mehr, dann hast du noch fünf bis sieben Jahre. So hat das damals ausgesehen, das waren meine Perspektiven. Aber ich muss ja auch von irgendwas leben, daher bin ich weiter arbeiten gegangen und mit dem Rauchen aufzuhören habe ich sowieso nie geschafft und hin und wieder mal ein Bierchen, darauf wollte ich auch nicht verzichten. Und ich lebe immer noch. ZOOM: Welche Empfindungen hatten Sie, als sie von Ihrem Ergebnis erfahren haben? Thomas Dresen: Klar war das erst mal ein Schock. Aber ich hatte nicht das Gefühl, ich muss schnell noch mein Leben leben, ich habe nur noch sieben Jahre. Ich habe viel erlebt in meinem Leben, ich war zwei Jahre in Thailand, zwei Jahre in den Vereinigten Staaten, ich hab in Würzburg, Frankfurt, ich hab in Berlin gelebt. Also ich hab viel erlebt, ich hatte dann nicht auf einmal einen Nachholbedarf. Ich habe Depressionen bekommen, ich hab gedacht, du wirst jetzt immer kränker, und dann tut dir irgendwann alles weh und dann siechst du dahin, davor hatte ich Angst. Und dann habe ich auch an Selbstmord gedacht, ich dachte, bevor es so weit ist, gibt du dir lieber selber ein Ende. Aber zum Glück hab ich das nicht gemacht. ZOOM: Hat Ihr Leben sich nach der Diagnose stark verändert? Thomas Dresen: Also nicht so drastisch. Ich dachte dann, das Leben geht schon irgendwie weiter, die Gürtelrose wurde ja dann auch dementsprechend behandelt und dann war es wieder gut. Weitere acht Jahre bin ich dann arbeiten gegangen. Ich hab Küchen ausgeliefert für ein großes Möbelhaus und hab dann acht Jahre lang richtig gepowert. Das ging dann immer so weiter, und 1998 bin ich dann an AIDS erkrankt, bin dann in die Klinik gekommen, habe eine Krebstherapie bekommen, also eine Chemotherapie und Bestrahlungen. Und dann war Feierabend mit der Arbeit, dann haben sie mich in Rente geschickt. Dann habe ich gedacht, was machst du jetzt mit deinem Leben? Bisher war mein Lebensinhalt Arbeit und Urlaub und so, das kannst du jetzt alles nicht mehr. Und den ganzen Tag Fernsehen, das wollte ich ja auch nicht. Meine soziale Ader habe ich dann entdeckt und bin dann 1999 als ehrenamtlicher Helfer hier in die AIDS-Hilfe eingestiegen. ZOOM: Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Erkrankung reagiert? Thomas Dresen: Also ich hab vorher einen richtig großen Freundeskreis gehabt, so 20, 30 Leute hatte ich zu meinen Freunden gezählt. Dann hab ich mich geoutet und gesagt, ich bin HIV-positiv, dann sind von sagen wir mal 20 Freunden zwei übriggeblieben. Ihr kennt den Spruch, in der Not erkennt man seine wahren Freunde, ich hab sie erkannt und auf die Freunde, die mir geblieben sind, kann ich mich hundertprozentig verlassen. Die können sich natürlich auch auf mich verlassen und mir sind natürlich zwei gute lieber als 20 schlechte Freunde. Meine Familie, muss ich sagen, ging gar nicht gut mit dem Thema um. Die hat sich also von mit komplett distanziert, die wollen gar nichts mit mir zu tun haben. Ich bin ganz konservativ aufgewachsen, katholisch und streng gläubig. Ich hab paar mal versucht, das zu klären, aber da ist nichts zu machen, man kann sich selber nur ändern, man kann keine anderen verändern. Ansonsten hat sich mein Leben natürlich verändert, weil ich nicht mehr arbeiten gehen konnte. Aber ich hab glücklicherweise einen super Vermieter, der auch sehr sozial eingestellt ist. Wenn ich ein paar Tage nicht die Treppe herunter komm, dann ruft der mich oben an und fragt, wie geht’s? Und wenn ich dann sag, nicht so gut, dann kommt seine Frau mittags mit Essen rauf. Das ist natürlich prima. Häufig ist das so, wenn man sagt, ich bin HIV-positiv, dass man dann bei der Arbeit entlassen wird. Und wenn man nicht entlassen wird, dann wird man gemobbt, von seinen lieben Kollegen. Dann hört man von selbst auf, zu arbeiten. Oder wenn der Vermieter das rauskriegt, dann sagt der, so was in meinem Haus will ich nicht, und dann wird einem die Wohnung gekündigt. Man hat eigentlich kein so schönes Leben mehr. Ich sag nur, wenn ich nicht sagen würde, dass ich HIV-positiv bin, dann wäre die Message nicht so authentisch. Wenn ich vor einer Schulklasse stehe und erzähle als Betroffener von HIV, ist das was anderes als wenn da irgendjemand da steht. ZOOM: Wie ist die Reaktion in der Öffentlichkeit auf das Thema? Thomas Dresen: Also „Das kann mir nicht passieren“ hab ich schon oft gehört. Ich komme aus Bad -Neuenahr-Ahrweiler, Stadtteil Ahrweiler, also ein ganz konservatives Städtchen. Und seit 1999 bin ich hier in der AIDS-Hilfe Koblenz und seit 1999 mache ich am Weltaidstag am 1. Dezember einen Info- stand am Weihnachtsmarkt in Ahrweiler. Oh, da hättet ihr in den ersten ein, zwei Jahren dabei sein müssen. Da ist also einiges abgegangen. „Mach, dass du raus kommst!“ – „AIDS, HIV ist ein Thema für Köln, Frankfurt, Berlin, aber auf keinen Fall für uns hier in Ahrweiler.“ Aber mittlerweile haben die Leute kapiert, dass sie nach Köln fahren, obwohl sie auf dem Land leben. Dass auch HIV-positive in der Eifel leben, das ist unglaublich. Mittlerweile sind wir auch in Ahrweiler präsent, wir arbeiten eng mit den Gesundheitsämtern zusammen, das klappt schon ganz gut. Aber in einer Schule dort war ich noch nicht. Meint ihr, da wäre ich in eine Schule reingekommen? Nein, unsere Jugend, die ist anständig, die brauchen so was nicht. Das gibt es doch bei uns hier nicht. Das ist eine Krankheit für eine Großstadt. ZOOM: Wie sieht Ihre medizinische Betreuung und Behandlung aus? Thomas Dresen: Seit meinem positiven Testergebnis bekomme ich Medikamente, das sind mit der Zeit weniger geworden, früher habe ich eine ganze Handvoll am Tag schlucken müssen, heute sind es nur noch acht. Und dann muss ich auch regelmäßig zu meinem Immunologen, nach Bonn zum Venusberg, und einmal im Monat nimmt man mir auch Blut ab, dann wird mein Immunstatus gemessen. Dann muss ich den ganzen Tag dahin, dann wird ein CT gemacht, und Blut abgenommen, dann komm ich zum HNO- Spezialisten, weil ich auch oft Erkältung habe, dann wird geschaut, was man dagegen machen kann, dann zur Krebsnachsorge, dann in die Immunologie, da bin ich also den ganzen Tag beschäftigt. Sonst mache ich dann Prävention, z.B. am Donnerstag in der Ludwig-Erhard-Schule bei euch in Neuwied, und freitags dann Telefonberatung, auch ehrenamtlich. Also das macht mir schon Spaß, da Informationen und Hilfe rüberzubringen und ich schätze, ich kann das auch ganz gut. In mein Gästebuch auf meiner Homepage schreiben die Schüler rein, dass sie die Infoveranstaltungen ganz klasse fanden und viel mitgenommen haben. Da denke ich, dass das ihnen schon was bringt und das macht dann auch Spaß. Das bestärkt mich dann darin, weiterzumachen. ZOOM: Welche Symptome weist die Erkrankung auf? Thomas Dresen: Also ich bin öfters krank. Ich bin öfters erkältet, und wenn ich erkältet bin, dann ist das nicht wie bei einem gesunden Menschen, dass das nach vier Tagen wieder in Ordnung ist, sondern ich bekomme die Erkältung dann immer schwer wieder weg, ich nehme dann Penizillin, Antibiotika, bis dann etwas anschlägt, das dauert dann bei mir immer eine sehr lange Zeit. Wenn das dann wieder überstanden ist, geht es mir ziemlich gut, bis wieder das nächste Mal was kommt. Mein Immunsystem ist in dem Sinne geschwächt, dass ich weniger Helferzellen habe. Ein normaler Mensch hat 1000 bis 1500 Helferzellen im Kubikmillimeter Blut, ich hab nur 220, das ist also sehr wenig. Also dadurch kann zum Beispiel eine Lungenentzündung, die beim normalen Menschen nicht so schlimm ist, bei einem immungeschwächten Menschen schon sehr kritisch werden. ZOOM: Wieso liegt denn die Infektionszahl bei Jugendlichen am höchsten? Gerhard Werntner: Also Thomas sagt immer, 40 % der Infektionen bewegen sich bei Menschen zwischen 14 und 25 Jahren oder so. So genau kann man das nicht sagen. Es ist sicher so, dass junge Leute da sicher sehr gefährdet sind, weil sie einfach auch nicht mitbekommen haben, was vor zehn oder fünf- zehn Jahren war, so der und der Prominente ist gestorben. Die sind daher gefährdet, weil das Thema eigentlich ganz aus der Presse verschwindet, und man so ein bisschen vermittelt bekommt, das gibt es nicht mehr. Dann heißt es, ich habe irgendwann mal von Medikamenten gelesen, das ist heilbar, von daher ist das nicht so schlimm. Daher setzen wir uns weiterhin für die Präventionsarbeit ein. Weil, auf gut Deutsch gesagt, einmal das Kondom weggelassen bei einer flüchtigen Sache, dann kann es das gewesen sein. Das Problem ist nach wie vor da. Die meisten Betroffenen, die wir hier betreuen, sind sicher nicht im Schulalter, sondern eher so zwischen 25 und 45 Jahren. Ich denke, da ist das Gros. Aber die 25-jährigen müssen sich ja auch irgendwann mal infiziert haben, und das mag dann in jungen Jahren passiert sein. ZOOM: Ist der Grund bei den Jugendlichen dann vor allem Unwissenheit oder auch viel Unbesonnenheit? Gerhard Werntner: Also ich würde mal sagen, den Begriff „Benutz ein Kondom.“, den kennt jeder. Also bei Präventionsveranstaltungen wollen wir dann von den Schülern als mögliche Gründe hören, Alkohol war mit im Spiel, oder Partydrogen, oder Verliebtsein, solche Sachen, oder das pure Nicht-vorhanden- sein von einem Kondom, oder Diskolaune, Urlaubsstimmung, sind dann die entsprechenden Faktoren. Oder halt auch, dass man einfach dann das Thema nicht bespricht. Dann wird gefragt bei One-Night- Stands, nimmst du die Pille, und wenn dann ein Ja kommt, dann wird das Andere völlig ausgeblendet, der ganze Bereich sexuelle Krankheiten und vor allem auch AIDS. ZOOM: Vielen Dank für das Interview.

Was ist HIV?

 HIV (Humanes Immundefekt Virus) ist ein Virus, das vor allem die Zellen des Immunsystems befällt. Es vermehrt sich in ihnen, setzt sie außer Funktion und zerstört sie schließlich. Das körpereigene Abwehrsystem kann - anders als bei den meisten anderen Infektionen - HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl einige Wochen nach der Infektion Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das eingedrungene Virus gebildet werden. Was ist Aids? Aids ist eine schwere, durch HIV ausgelöste Schwächung des körpereigenen Immunsystems. Aids macht den Körper wehrlos gegen viele Krankheitserreger, die ein gesunder Mensch ohne Probleme abwehrt. Die durch die Schwächung des körpereigenen Immunsystems ausgelösten Krankheiten (wie z.B. Tumore) führen schließlich ohne Behandlung zum Tode. Wie findet die Übertragung statt? Grundsätzlich gilt, dass das Aids-Erregervirus in den Organismus einer anderen Person gelangen muss. Meist wird dies durch Verletzungen an der Haut und Schleimhäuten ermöglicht. Nur Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Muttermilch einer infizierten Person kann eine Übertragung des Virus verursachen. Die häufigsten Übertragungsmöglichkeiten sind: sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner Drogenkonsum mit Gebrauch von Spitzen Transfusion von Blut Während Schwangerschaft, Geburt oder des Stillens Was sind die Symptome und wie findet der Ablauf der Krankheit statt? Das Krankheitsmuster wird in vier Phasen unterteilt: 1) Die akute Phase: Vier bis sechs Wochen nach Infektion grippales Krankheitsbild tritt auf 2) Die Latenzphase: keine Symptome Virus verbreitet sich im Körper ggf. psychische Probleme Zeitraum von bis zu 10 Jahren 3) Die 2. akute Phase grippales Krankheitsbild tritt wieder auf und bleibt 4) Die Krankheitsphase: eigentliche Krankheit führt zum Tod Wie wird ein Infizierter medizinisch behandelt? Bis heute ist es noch nicht möglich, diese Krankheit zu heilen. Es wird lediglich der Krankheitsverlauf verlangsamt. Ein Infizierter wird medikamentös behandelt. Wie kann ich mich davor schützen? Besondere Vorsicht ist beim Geschlechtsverkehr geboten, wenn man bei seine/-r/-m Partner/-in nicht sicher ist, ob sie/er infiziert ist. Der Mann sollte schon ein Kondom mit geprüfter Qualität benutzen, um eine mögliche Infektion für sich und seine/-r/-n Partner/-in auszuschließen.

Mach dich schlau über Aids und HIV – Wissen ist deine Gesundheit!

Noch Fragen?!

Informationskasten AIDS-Hilfe Koblenz

Für weitere Fragen zum Thema AIDS und HIV ist die AIDS-Hilfe Koblenz über das Beratungstelefon unter

der Telefonnummer 0261-16699 zu erreichen.

Weitere Informationen findet man auch auf oder auf der pri-

vaten Zum Thema HIV-Test und sexuell übertragbare Krankheiten berät auch Frau Hoeboer vom Gesundheits-

amt Neuwied unter der Telefonnummer 02631-803-713.

Weitere Infos

die Aufklärungs-Kampagne „Gib Aids keine Chance“ im Internet: www.gakc.de

die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga.de

die Deutsche AIDS-Hilfe: www.aidshilfe.de

die Deutsche AIDS-Stiftung: www.aidsstiftung.de

 Homepage der www.koblenz.aidshilfe.de

Homepage von Thomas Dresen www.dresen1a.de.