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Der
Gewinnerartikel von Karina Seuser und
Michael Leiberger
Wissen
ist deine Gesundheit
AIDS?!
Euch kam bestimmt nun der Gedanke, wie, was hat das in unserem ZOOM zu
suchen? Das Thema
gehört doch nach Afrika, dort gibt es betroffene Menschen. Aber AIDS
ist nicht eine ferne Sache,
sondern
auch eine Krankheit, die euch täglich hier vor eurer Haustür begegnen
kann. Es geht um eure
Gesundheit.
Um euch über dieses Thema, das euch alle betrifft, zu informieren,
haben wir die AIDS-Hilfe
Koblenz
besucht.
Die
AIDS-Hilfe Koblenz betreut etwa 600 mit dem HI-Virus infizierte
beziehungsweise an AIDS erkrankte
Menschen
im Bezirk des nördlichen Rheinland-Pfalz. Zu ihren Aufgabengebieten zählt
die soziale Betreu-
ung
der Betroffenen sowie die Information der Bevölkerung durch
Informationsstände auf Veranstaltungen
oder auch die Präventionsarbeit in Schulen.
Um
den Kontakt zwischen Betroffenen und deren Angehörigen zu fördern,
veranstaltet die AIDS-Hilfe
Koblenz
das Mittwochsfrühstück, bei dem sich die Betroffenen untereinander über
Probleme und Freuden
des
täglichen Lebens austauschen können, oder auch den Sonntagskaffee, bei
dem jeder willkommen
ist.
Breite
Öffentlichkeitsarbeit betreiben ehrenamtliche Mitarbeiter mit dem
Gummi-Express. Bei dieser Aktion
werden am Wochenende in der Koblenzer Fußgängerzone kostenlos
Informationsflyer und Kondome
verteilt.
Ebenso versucht man, durch die Aktion „Queer as
folk and more“
in der homosexuellen Szene
auf
das Thema aufmerksam zu machen. Bei diversen besonderen Veranstaltungen
wie dem Welt-Aids-
Tag
am 1. Dezember oder auch am Valentinstag wollen die Mitarbeiter der AH
Koblenz ihre Mitbürger mit
einem
Infostand über das Thema AIDS und HIV aufklären.
Ein
wichtiger Teil der Arbeit der AIDS-Hilfe ist auch die Präventionsarbeit
in Schulen, bei denen die
Schüler
unterschiedlicher Jahrgangstufen in meist zweistündigen Vorträgen
viele Informationen erhalten
sollen.
Gerhard
Werntnerm, Christine
Bangert
(Hauptamtler der AH Ko) und
Thomas
Dresen
(Ehrenmatler
der AH Ko) beim
Interview
Der
ZOOM sprach mit den Mitarbeitern Christine Bangert und Gerhard Werntner
sowie dem selbst betroffenen ehrenamtlichen Helfer Thomas
Dresen
über die Arbeit der AIDS-Hilfe, den Risiken besonders
bei
Jugendlichen und das Leben eines HIV-positiven Menschen.
ZOOM:
Wie arbeitet
die AIDS-Hilfe Koblenz?
Gerhard
Werntner: Die
AIDS-Hilfe Koblenz gibt’s seit 1984. D.h. wir sind im 21 Jahr. Wir
haben hier
eineinhalb
Sozialpädagogenstellen und eine Verwaltungskraft, die auch stundenweise
noch da ist, und
so circa 15
aktive Ehrenamtler. Zuständig sind wir für Koblenz und die sieben
angrenzenden Landkreise,
wozu zum
Beispiel auch der Kreis Neuwied dazugehört. Wir haben ungefähr,… man
kann sagen, letztes
Jahr haben wir
etwa 100 Präventionsveranstaltungen in Schulen gemacht. Das ist ein
wichtiges Aufgabengebiet von uns, Infoveranstaltungen halt, Präventionsarbeit.
Ein weiterer
Teil ist Öffentlichkeitsarbeit, zum Weltaidstag zum Beispiel, wo wir
mit Infoständen Prä-
senz zeigen und
auch immer, wann sich die Möglichkeit ergibt, wenn man uns genehmigt,
dabei zu sein,
versuchen wir
das halt auch. Wichtige Arbeit ist natürlich auch die Arbeit mit
Betroffenen, Unterstützung
bei
irgendwelchen Problemen z.B. mit Ämtern, Krankenkassen,
Schwerbehindertenausweis beantragen,
und auch
finanzielle Probleme, wenn jemand über die Krankheit bis nach Hartz IV
hinunterrutscht, und
man einfach
Schwierigkeiten hat und Unterstützung braucht, dann sind wir natürlich
auch beteiligt.
Wir bieten auch
noch Freizeitaktivitäten an, also Projekte, um natürlich die Möglichkeit
zu bieten, Freizeit sinnvoll zu gestalten, zum Beispiel frühstücken
gehen, ins Kino gehen oder so was, jeden letzten
Sonntag im
Monat treffen sich die Leute in dem Raum da drüben, zum Kaffeetrinken,
also zum lockeren
Austausch, alle
Angebote, die in dem Rahmen stattfinden, sind für Betroffene, Freunde,
Angehörige,
damit niemand,
der keine Möglichkeit hat, selber zu fahren, davon abgehalten wird,
werden die dann
gebracht und
derjenige kann dann auch dazukommen. Dann haben wir mittwochs noch das
Mittwochsfrühstück für Betroffene und
Lebenspartner/Lebenspartnerinnen.
Wir arbeiten
sehr eng im AIDS-Kreis Nord, das ist so mit anderen Fachleuten zusammen.
Da ist auch
sehr
hervorzuheben das Gesundheitsamt Neuwied halt, das ist die Frau Hoeboer,
die ist in der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit, macht da
HIV-Tests, da ist halt eine intensive Zusammenarbeit.
Das einzige
Krankenhaus hier im nördlichen Rheinland-Pfalz zur Behandlung ist der
Kemperhof, der Doktor Rieke, der behandelt etwa 500 bis 600 Menschen,
die hier aus dem Zuständigkeitsbereich kommen.
Wir sind dann
auch da, um die zu betreuen, wir sind also einmal in der Woche vor Ort,
damit wir da
auch den
Kontakt zu den Patienten haben. Das ist der Hauptkontaktpunkt für uns
und die Betroffenen.
Ein anderer
Aufgabenbereich ist natürlich die Telefonberatung, wenn Leute anrufen,
wo kann man einen
HIV-Test machen
oder so. Für Fragen sind wir da natürlich der Ansprechpartner.
ZOOM:
Wie wird
dann der Kontakt zwischen den Betroffenen und der Aidshilfe Koblenz
hergestellt?
Christine
Bangert: Anrufen
tun vielleicht eher die Leute, die einen Risikokontakt gehabt haben und
dann Angst
haben, dass sie sich infiziert haben. Dafür ist das Beratungstelefon
da, das und das ist gewesen, und wie sieht das aus mit einem Test, kann
ich den machen lassen, aber die Betroffenen selber
lernen wir eher
im Krankenhaus kennen.
Gerhard
Werntner: Wir
lernen die dann meistens da kennen. Oder wenn Dr. Rieke merkt, da ist
ein
Patient, dem könnten
wir helfen bei sozialen Problemen oder ähnlichem, dann informiert er
uns dann
auch und stellt
den Kontakt her.
ZOOM:
Wo kann man
einen HIV-Test machen lassen?
Gerhard
Werntner: Wenn
uns hier jemand anruft, und fragt, dann schicken wir denjenigen meistens
zum
Gesundheitsamt, weil der Test dort kostenlos und anonym ist. Das ist
dann häufig angenehmer als
beim Hausarzt,
wo jeder einen kennt, wenn dann der Arzt aufruft, Blutabnahme für den
Aids-Test, ist
das schon
peinlich, deswegen verweisen wir die Leute meistens zum zuständigen
Gesundheitsamt.
Und bei solchen
Gesprächen ist halt wichtig, den Leuten klar zu machen, dass man drei
Monate nach
einem
Risikokontakt erst testen kann, ob man sich infiziert hat.
Christine
Bangert: Und
diese drei Monate sind für viele Menschen das Hauptproblem, also die
Angst,
sich infiziert
haben zu können. Die hier anrufen, haben meistens schon dieses
schlechte Gefühl, da
könnte was
gewesen sein, und denen dann noch sagen zu müssen, dass sie leider noch
mal drei Monate
warten müssen,
ist schon schwierig. Manche rufen dann auch häufiger an und versuchen
zu feilschen,
können wir das
nicht doch früher machen, aber das ist nicht unbedingt möglich.
ZOOM:
Wie gehen
Sie bei Präventionsveranstaltungen in Schulen vor?
Gerhard
Werntner: Also
leider können wir natürlich nicht ein Schreiben machen an alle
Schulen, es
gibt in unserem Bereich etwa 400 weiterführende
Schulen. Und es ist leider so, dass wir die wenigsten Kontakte
zu Gymnasien haben. Die rund 100 Veranstaltungen, die im letzten Jahr
zustande gekommen sind, sind zustande gekommen, weil uns immer wieder
engagierte Lehrer angefordert haben. Und
solange der
Lehrer dann nicht in Pension geht oder versetzt wird, bleibt dann
meistens der Kontakt zur
jeweiligen
Schule bestehen. Und dann ist es so, dass wir dann relativ kurzfristig
auch Termine ausmachen. Und dann je nach dem, wie weit die Klassen im
Thema drin sind, manche sind halt bei 0, also am
Anfang, andere
haben schon Projekte gemacht und haben dementsprechend Vorwissen. Dann
kommt
immer ein
Betroffener mit, z.B. Thomas
Dresen,
und entweder ich oder Christine Bangert, die dann halt
Informationen
zum Thema haben. Ein Themenschwerpunkt ist dann die Vermittlung von
Wissen. Ein
zweiter Teil
ist dann z.B., wo macht man einen HIV-Test und so was. Ein weiterer
Block ist dann halt,
dass der Thomas,
oder andere Betroffene, die sich da ehrenamtlich engagieren, erzählen
dann über ihre
Erfahrungen mit
Familie, mit Bekannten, an der Arbeitsstelle.
ZOOM:
Wie
reagieren die Schüler auf das Thema?
Christine
Bangert: Eigentlich
haben wir durchweg nur positive Erfahrungen gemacht. Also das Thema
interessiert die Schüler sehr, das hat ja immer auch mit Sexualität zu
tun, das interessiert einen als
heranwachsender
Mensch sowieso. Dann haben wir natürlich das Glück, dass der
Betroffene selbst, die
Situation auch
anschaulich darstellt, das ist auch wirklich etwas anderes, wenn man
wirklich einen vor
sich hat, der
HIV-positiv ist, der krank ist, das ist einfach so eine Unmittelbarkeit,
dadurch entsteht automatisch Interesse. Und mit dem Thema stoßen wir da
immer wieder auf offene Ohren.
ZOOM:
Wie
reagieren die Schüler auf den Besuch eines vom HI-Virus betroffenen
Menschen?
Thomas Dresen: Also
die sind erst mal ziemlich verschreckt. Ich sag dann guten Morgen. Und
dann
frag ich, ob
man das jemandem ansehen kann, ob er HIV-positiv ist. Dann sag ich, dass
ich HIV-positiv
bin, und dann
herrscht erst einmal betroffenes Schweigen. Es stimmt ja nicht, dass man
die Infektion
mit dem
HI-Virus jemandem ansehen kann. Man kann vielleicht jemandem ansehen,
dass er an AIDS erkrankt ist. Früher gab es einen speziellen
AIDS-definierten Hautkrebs, da waren die Leute stigmatisiert.
Oder dann gibt
es eine Fettumverteilung, dann geht das Fett unter der Haut im Gesicht
weg und sammelt sich im Nacken. Da kann man dann sagen, dass jemand an
HIV beziehungsweise AIDS erkrankt ist.
ZOOM:
Wodurch
erfahren die Betroffenen von ihrer Infektion und Erkrankung?
Gerhard
Werntner: Also
ich würde eher so sagen, ich denke mir, merken tut das eigentlich
keiner.
Wenn jemand
voll in der Thematik ist, und sein komplettes Handeln da voll
reflektiert, dann mag er die
grippeähnlichen
Symptome, die nach einem Risikokontakt sein können, nicht auftreten müssen
aber
auftreten können,
richtig deuten. Aber das kann noch nicht mal ein Hausarzt. Also deswegen
denke ich
mir, kommen die
HIV-positiven Tests erst zu Stande, wenn ich denk, mach mal einen Test,
weil meine
Bekannten einen
gemacht haben, weil ich in den Medien davon gehört habe, also eher zufällig.
Christine
Bangert: Oder
wenn halt die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist, wenn dann
irgendwelche Erkrankungen auftauchen, die den Arzt dazu veranlassen,
einen Test zu machen, und dann
erfährt das
der Betroffene.
Gerhard
Werntner: Es
ist dann auch so, häufig werden die Krankheiten dann erst behandelt,
und
wenn das alles
dann nicht greift, wenn die Medikamente unerklärlicherweise alle nicht
anschlagen und
der Mensch
trotzdem immer kranker wird, kommt dann vielleicht auch einer auf die
Idee, einen Test zu
machen. Also es
gibt ganz viele, die erst sehr spät von der Erkrankung erfahren.
ZOOM:
Wie haben
Sie es erfahren, dass Sie HIV-positiv sind?
Thomas Dresen: Ich
hab das gar nicht gemerkt. Ich bin Langzeitüberlebender. 1982 hab ich
ein Restaurant in Thailand gehabt. Da war ich zwei Jahre in Thailand,
ich wollte aussteigen aus Deutschland
hier, und dann
hab ich da Schweinshaxe und so verkauft, alles, was sich ein deutscher
Tourist im Urlaub
im Ausland wünscht.
Und abends bin ich dann auf die Pirsch gegangen, dann hab ich mal die
eine oder
die andere
mitgenommen. Und dann ohne Kondom, denn damals gab’s zwar schon die
Anfänge von
AIDS, aber das
war noch nicht allgemein so bekannt. Das war eine Schwulenkrankheit
damals, uns als
Otto
Normalverbraucher hat das damals gar nicht interessiert, weil das auch
in Amerika war, also weit
weg. Und man
wusste damals auch noch nicht, wie die Krankheit übertragen wurde. Später
wusste man
dann, dass AIDS
eine sexuell übertragbare Krankheit ist und man sich mit einem Kondom
schützen kann,
aber da war’s
schon zu spät für mich, da war ich schon infiziert. Und das ging gut
bis 1990. Also bis
1990 habe ich
kein einziges Symptom gehabt, und dann kam eine Gürtelrose. Und dann
hat mein Arzt
gesagt, lass
dich einfach mal testen, denn Gürtelrose ist eine Krankheit, die alte
Leute bekommen, und
da war ich
wirklich noch nicht alt. Und dann war der Test positiv, dann hat der
Arzt gesagt, hör auf zu
arbeiten, hör
auf zu rauchen, kein Bier mehr, keine Party mehr, dann hast du noch fünf
bis sieben Jahre.
So hat das
damals ausgesehen, das waren meine Perspektiven. Aber ich muss ja auch
von irgendwas
leben, daher
bin ich weiter arbeiten gegangen und mit dem Rauchen aufzuhören habe
ich sowieso nie
geschafft und hin und wieder mal ein Bierchen, darauf wollte ich auch
nicht verzichten. Und ich lebe
immer noch.
ZOOM:
Welche
Empfindungen hatten Sie, als sie von Ihrem Ergebnis erfahren haben?
Thomas Dresen: Klar
war das erst mal ein Schock. Aber ich hatte nicht das Gefühl, ich muss
schnell
noch mein Leben
leben, ich habe nur noch sieben Jahre. Ich habe viel erlebt in meinem
Leben, ich war
zwei Jahre in
Thailand, zwei Jahre in den Vereinigten Staaten, ich hab in Würzburg,
Frankfurt, ich hab
in Berlin
gelebt. Also ich hab viel erlebt, ich hatte dann nicht auf einmal einen
Nachholbedarf. Ich habe
Depressionen
bekommen, ich hab gedacht, du wirst jetzt immer kränker, und dann tut
dir irgendwann
alles weh und
dann siechst du dahin, davor hatte ich Angst. Und dann habe ich auch an
Selbstmord
gedacht, ich
dachte, bevor es so weit ist, gibt du dir lieber selber ein Ende. Aber
zum Glück hab ich das
nicht gemacht.
ZOOM:
Hat Ihr
Leben sich nach der Diagnose stark verändert?
Thomas Dresen: Also
nicht so drastisch. Ich dachte dann, das Leben geht schon irgendwie
weiter, die
Gürtelrose
wurde ja dann auch dementsprechend behandelt und dann war es wieder gut.
Weitere acht
Jahre bin ich
dann arbeiten gegangen. Ich hab Küchen ausgeliefert für ein großes Möbelhaus
und hab
dann acht Jahre
lang richtig gepowert. Das ging dann immer so weiter, und 1998 bin ich
dann an AIDS
erkrankt, bin
dann in die Klinik gekommen, habe eine Krebstherapie bekommen, also eine
Chemotherapie und Bestrahlungen. Und dann war Feierabend mit der Arbeit,
dann haben sie mich in Rente geschickt. Dann habe ich gedacht, was
machst du jetzt mit deinem Leben? Bisher war mein Lebensinhalt
Arbeit und
Urlaub und so, das kannst du jetzt alles nicht mehr. Und den ganzen Tag
Fernsehen, das
wollte ich ja
auch nicht. Meine soziale Ader habe ich dann entdeckt und bin dann 1999
als ehrenamtlicher Helfer hier in die AIDS-Hilfe eingestiegen.
ZOOM:
Wie hat Ihr
Umfeld auf Ihre Erkrankung reagiert?
Thomas Dresen: Also
ich hab vorher einen richtig großen Freundeskreis gehabt, so 20, 30
Leute hatte
ich zu meinen
Freunden gezählt. Dann hab ich mich geoutet und gesagt, ich bin
HIV-positiv, dann sind
von sagen wir
mal 20 Freunden zwei übriggeblieben. Ihr kennt den Spruch, in der Not
erkennt man
seine wahren
Freunde, ich hab sie erkannt und auf die Freunde, die mir geblieben
sind, kann ich mich
hundertprozentig
verlassen. Die können sich natürlich auch auf mich verlassen und mir
sind natürlich
zwei gute
lieber als 20 schlechte Freunde.
Meine Familie,
muss ich sagen, ging gar nicht gut mit dem Thema um. Die hat sich also
von mit komplett distanziert, die wollen gar nichts mit mir zu tun
haben. Ich bin ganz konservativ aufgewachsen,
katholisch und
streng gläubig. Ich hab paar mal versucht, das zu klären, aber da ist
nichts zu machen,
man kann sich
selber nur ändern, man kann keine anderen verändern.
Ansonsten hat
sich mein Leben natürlich verändert, weil ich nicht mehr arbeiten
gehen konnte. Aber ich
hab glücklicherweise
einen super Vermieter, der auch sehr sozial eingestellt ist. Wenn ich
ein paar Tage
nicht die
Treppe herunter komm, dann ruft der mich oben an und fragt, wie
geht’s? Und wenn ich dann
sag, nicht so
gut, dann kommt seine Frau mittags mit Essen rauf. Das ist natürlich
prima. Häufig ist das
so, wenn man
sagt, ich bin HIV-positiv, dass man dann bei der Arbeit entlassen wird.
Und wenn man
nicht entlassen
wird, dann wird man gemobbt, von seinen lieben Kollegen. Dann hört man
von selbst
auf, zu
arbeiten. Oder wenn der Vermieter das rauskriegt, dann sagt der, so was
in meinem Haus will ich
nicht, und dann
wird einem die Wohnung gekündigt. Man hat eigentlich kein so schönes
Leben mehr.
Ich sag nur,
wenn ich nicht sagen würde, dass ich HIV-positiv bin, dann wäre die
Message nicht so authentisch. Wenn ich vor einer Schulklasse stehe und
erzähle als Betroffener von HIV, ist das was anderes
als wenn da
irgendjemand da steht.
ZOOM:
Wie ist die
Reaktion in der Öffentlichkeit auf das Thema?
Thomas Dresen: Also
„Das kann mir nicht passieren“ hab ich schon oft gehört. Ich komme
aus Bad
-Neuenahr-Ahrweiler,
Stadtteil Ahrweiler,
also ein ganz konservatives Städtchen. Und seit 1999 bin ich
hier in der
AIDS-Hilfe Koblenz und seit 1999 mache ich am Weltaidstag am 1. Dezember
einen Info-
stand am
Weihnachtsmarkt in Ahrweiler.
Oh, da hättet ihr in den ersten ein, zwei Jahren dabei sein
müssen. Da ist
also einiges abgegangen. „Mach, dass du raus kommst!“ – „AIDS,
HIV ist ein Thema für
Köln,
Frankfurt, Berlin, aber auf keinen Fall für uns hier in Ahrweiler.“ Aber mittlerweile
haben die Leute
kapiert, dass
sie nach Köln fahren, obwohl sie auf dem Land leben. Dass auch
HIV-positive in der Eifel
leben, das ist
unglaublich. Mittlerweile sind wir auch in Ahrweiler präsent, wir arbeiten
eng mit den
Gesundheitsämtern
zusammen, das klappt schon ganz gut. Aber in einer Schule dort war ich
noch nicht.
Meint ihr, da wäre
ich in eine Schule reingekommen? Nein, unsere Jugend, die ist anständig,
die brauchen so was nicht. Das gibt es doch bei uns hier nicht. Das ist
eine Krankheit für eine Großstadt. ZOOM:
Wie sieht
Ihre medizinische Betreuung und Behandlung aus?
Thomas Dresen: Seit
meinem positiven Testergebnis bekomme ich Medikamente, das sind mit der
Zeit
weniger
geworden, früher habe ich eine ganze Handvoll am Tag schlucken müssen,
heute sind es nur
noch acht. Und
dann muss ich auch regelmäßig zu meinem Immunologen, nach Bonn zum
Venusberg,
und einmal im
Monat nimmt man mir auch Blut ab, dann wird mein Immunstatus gemessen.
Dann muss
ich den ganzen
Tag dahin, dann wird ein CT gemacht, und Blut abgenommen, dann komm ich
zum HNO-
Spezialisten,
weil ich auch oft Erkältung habe, dann wird geschaut, was man dagegen
machen kann,
dann zur
Krebsnachsorge, dann in die Immunologie, da bin ich also den ganzen Tag
beschäftigt. Sonst
mache ich dann
Prävention, z.B. am Donnerstag in der Ludwig-Erhard-Schule bei euch in
Neuwied, und
freitags dann
Telefonberatung, auch ehrenamtlich. Also das macht mir schon Spaß, da
Informationen
und Hilfe rüberzubringen
und ich schätze, ich kann das auch ganz gut. In mein Gästebuch auf
meiner
Homepage
schreiben die Schüler rein, dass sie die Infoveranstaltungen ganz
klasse fanden und viel mitgenommen haben. Da denke ich, dass das ihnen
schon was bringt und das macht dann auch Spaß. Das
bestärkt mich
dann darin, weiterzumachen.
ZOOM:
Welche
Symptome weist die Erkrankung auf?
Thomas Dresen: Also
ich bin öfters krank. Ich bin öfters erkältet, und wenn ich erkältet
bin, dann ist
das nicht wie
bei einem gesunden Menschen, dass das nach vier Tagen wieder in Ordnung
ist, sondern
ich bekomme die
Erkältung dann immer schwer wieder weg, ich nehme dann Penizillin,
Antibiotika,
bis dann etwas
anschlägt, das dauert dann bei mir immer eine sehr lange Zeit. Wenn das
dann wieder
überstanden ist, geht es mir ziemlich gut, bis wieder das nächste Mal
was kommt. Mein Immunsystem
ist in dem
Sinne geschwächt, dass ich weniger Helferzellen habe. Ein normaler
Mensch hat 1000 bis
1500
Helferzellen im Kubikmillimeter Blut, ich hab nur 220, das ist also sehr
wenig. Also dadurch kann
zum Beispiel
eine Lungenentzündung, die beim normalen Menschen nicht so schlimm ist,
bei einem immungeschwächten Menschen schon sehr kritisch werden.
ZOOM:
Wieso liegt
denn die Infektionszahl bei Jugendlichen am höchsten?
Gerhard
Werntner: Also
Thomas sagt immer, 40 % der
Infektionen bewegen sich bei Menschen zwischen 14 und 25 Jahren oder so.
So genau kann man das nicht sagen. Es ist sicher so, dass junge Leute
da sicher sehr
gefährdet sind, weil sie einfach auch nicht mitbekommen haben, was vor
zehn oder fünf-
zehn Jahren
war, so der und der Prominente ist gestorben. Die sind daher gefährdet,
weil das Thema
eigentlich ganz
aus der Presse verschwindet, und man so ein bisschen vermittelt bekommt,
das gibt es
nicht mehr.
Dann heißt es, ich habe irgendwann mal von Medikamenten gelesen, das
ist heilbar, von daher ist das nicht so schlimm. Daher setzen wir uns
weiterhin für die Präventionsarbeit ein. Weil, auf gut
Deutsch gesagt,
einmal das Kondom weggelassen bei einer flüchtigen Sache, dann kann es
das gewesen
sein. Das
Problem ist nach wie vor da. Die meisten Betroffenen, die wir hier
betreuen, sind sicher nicht
im Schulalter,
sondern eher so zwischen 25 und 45 Jahren. Ich denke, da ist das Gros.
Aber die 25-jährigen müssen sich ja auch irgendwann mal infiziert
haben, und das mag dann in jungen Jahren passiert
sein.
ZOOM:
Ist der
Grund bei den Jugendlichen dann vor allem Unwissenheit oder auch viel
Unbesonnenheit?
Gerhard
Werntner: Also
ich würde mal sagen, den Begriff „Benutz ein Kondom.“, den kennt
jeder. Also
bei Präventionsveranstaltungen
wollen wir dann von den Schülern als mögliche Gründe hören, Alkohol
war mit im
Spiel, oder Partydrogen, oder Verliebtsein, solche Sachen, oder das pure
Nicht-vorhanden-
sein von einem
Kondom, oder Diskolaune, Urlaubsstimmung, sind dann die entsprechenden
Faktoren.
Oder halt auch,
dass man einfach dann das Thema nicht bespricht. Dann wird gefragt bei
One-Night-
Stands, nimmst
du die Pille, und wenn dann ein Ja kommt, dann wird das Andere völlig
ausgeblendet,
der ganze
Bereich sexuelle Krankheiten und vor allem auch AIDS.
ZOOM:
Vielen Dank
für das Interview.
Was
ist HIV?
HIV
(Humanes Immundefekt Virus) ist ein Virus, das vor allem die Zellen des
Immunsystems befällt. Es vermehrt sich in ihnen, setzt sie außer
Funktion und
zerstört sie schließlich. Das körpereigene Abwehrsystem
kann - anders
als bei den meisten anderen Infektionen - HIV nicht aus dem
Körper
entfernen, obwohl einige Wochen nach der Infektion Abwehrstoffe
(Antikörper)
gegen das eingedrungene Virus gebildet werden.
Was ist Aids?
Aids ist eine
schwere, durch HIV ausgelöste Schwächung des körpereigenen
Immunsystems. Aids macht den Körper wehrlos gegen viele
Krankheitserreger, die ein gesunder Mensch ohne Probleme abwehrt. Die
durch
die Schwächung
des körpereigenen Immunsystems ausgelösten Krankheiten (wie z.B.
Tumore) führen schließlich ohne Behandlung zum Tode.
Wie findet die Übertragung
statt?
Grundsätzlich
gilt, dass das Aids-Erregervirus in den Organismus einer
anderen Person
gelangen muss. Meist wird dies durch Verletzungen an der
Haut und
Schleimhäuten ermöglicht. Nur Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit
oder
Muttermilch einer infizierten Person kann eine Übertragung des Virus
verursachen.
Die häufigsten Übertragungsmöglichkeiten sind:
sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner
Drogenkonsum mit Gebrauch von Spitzen
Transfusion von Blut
Während Schwangerschaft, Geburt oder des
Stillens
Was sind die Symptome
und wie findet
der Ablauf
der Krankheit
statt?
Das
Krankheitsmuster wird in vier Phasen unterteilt:
1) Die akute
Phase:
Vier bis sechs Wochen nach Infektion
grippales Krankheitsbild tritt auf
2) Die
Latenzphase:
keine Symptome
Virus verbreitet sich im Körper
ggf. psychische Probleme
Zeitraum von bis zu 10 Jahren
3) Die 2. akute
Phase
grippales Krankheitsbild tritt wieder auf und
bleibt
4) Die
Krankheitsphase:
eigentliche Krankheit
führt zum Tod
Wie wird ein Infizierter
medizinisch behandelt?
Bis heute ist
es noch nicht möglich, diese Krankheit zu heilen. Es wird lediglich der
Krankheitsverlauf verlangsamt. Ein Infizierter wird medikamentös
behandelt.
Wie kann ich
mich davor
schützen?
Besondere
Vorsicht ist beim Geschlechtsverkehr geboten, wenn man bei
seine/-r/-m
Partner/-in nicht sicher ist, ob sie/er infiziert ist. Der Mann
sollte schon
ein Kondom mit geprüfter Qualität benutzen, um eine mögliche
Infektion für
sich und seine/-r/-n Partner/-in auszuschließen.
Mach
dich schlau über Aids und HIV – Wissen ist deine Gesundheit!
Noch
Fragen?!
Informationskasten
AIDS-Hilfe Koblenz
Für
weitere Fragen zum Thema AIDS und HIV ist die AIDS-Hilfe Koblenz über
das Beratungstelefon unter
der
Telefonnummer 0261-16699 zu erreichen.
Weitere
Informationen findet man auch auf oder auf der pri-
vaten
Zum Thema HIV-Test und sexuell übertragbare Krankheiten berät auch
Frau Hoeboer vom Gesundheits-
amt
Neuwied unter der Telefonnummer 02631-803-713.
Weitere
Infos
die Aufklärungs-Kampagne „Gib Aids keine
Chance“ im Internet: www.gakc.de
die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
www.bzga.de
die Deutsche AIDS-Hilfe: www.aidshilfe.de
die Deutsche AIDS-Stiftung:
www.aidsstiftung.de
Homepage
der www.koblenz.aidshilfe.de
Homepage von Thomas
Dresen
www.dresen1a.de.
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